Start des FORSCHUNGSPROJEKTS zu griechischen Strukturen des GLOBAL BUEN VIVIR
Videokonferenz mit Athen, Naxos und Padua
Liebe Freunde in Athen, auf Naxos und in Florenz,
am kommenden Mittwoch, dem 16. September 2026, um 18 Uhr starten wir mit der ersten von drei Videokonferenzen, in denen wir uns mit dem „Globalen BUEN VIVIR“ – den gemeinschaftsbasierten und naturorientierten Lebensweisen in Griechenland – beschäftigen.
Das Hannoveraner Team ist an der Universität Hannover zusammen und freut sich darauf, 18 Gäste aus Griechenland und Italien begrüßen zu dürfen.
Dies wird unser erster persönlicher Kontakt sein, und wir freuen uns auf eine intensive Diskussion, an die sich im Oktober zwei weitere Videokonferenzen anschließen werden.
Auf diesen Gesprächen mit Ihnen werden wir dann aufbauen, um unser zweitägiges PROTERRA-FORUM im Januar 2027 in Hannover zu organisieren, bei dem wir mit Ihrer Teilnahme und Ihrer persönlichen Anwesenheit die Grundlagen für unsere Forschungsarbeit legen möchten.
Im März 2027 werden wir dann nach Athen und Naxos reisen, um dort zu forschen und mit Ihrer Hilfe die wichtigsten Erkenntnisse zusammenzustellen….
Unser in Hannover ansässiges Forschungsteam hat für Sie einen kurzen Text zu diesem Thema verfasst, den wir unten beigefügt haben.
Wir hoffen, Sie alle nächste Woche zu sehen und diese wichtige Diskussion mit Ihnen zu beginnen.
Konzeptpapier Globales BUEN VIVIR
zum Start des Forschungsprojektes in der Universität Hannover mit Zuschaltungen aus Athen, Naxos und Padua
Die Polykrise unserer Gesellschaft wird immer offensichtlicher. Hitzewellen töten zehntausende Personen, Umweltkatastrophen werden fast alltäglich, jahrelange Kriege auch in Europa, ein beständiges Ansteigen der extremen Rechten – es gibt grundsätzliche Probleme, auf die es keine klaren Antworten zu geben scheint. Mit neuer Dringlichkeit stellt sich die Frage: Wie organisieren wir unser Leben auf diesem Planeten?
Die herrschende Beziehung von Mensch zu Natur ist von Konsum und dem diesem zugrundeliegende Extraktivismus geprägt. Dieses Trennungsdenken von Mensch und Natur, Fundament der imperialen Lebensweise, ist eine zentrale Ursache der Polykrise. Relationale Lebensweisen, Formen einer erweiterten Gemeinschaft, die auch die Natur einschließt, weitergehende Arten der Zugehörigkeit und eine Ausrichtung auf die verschiedenen Kreisläufe stehen dem Extraktivismus grundlegend entgegen. Gerade die verschiedenen Arten der Verwaltung von Eigentum sind hier zentral. Es geht um mehr als schlicht privates Eigentum. Alternativen wie kollektive und öffentliche Formen von Eigentum sind zentral für eine postextraktivistische Lebensweise.
Fragen nach Eigentum und konkreten Machtverhältnissen werden oft von folkloristischen und stereotypen Vorstellungen der Gemeinschaften überdeckt, die Alternativen leben. Diese Reduzierung behindert auch die Verbreitung anderer Wissensarten und einen angemessenen Wissensaustausch. Praktikable Formen einer kollektiven Selbstverwaltung, etwa über Genossenschaften oder Sozialwirtschaft, werden als lokale Besonderheiten exotisiert und so unsichtbar gemacht. Dabei geht unter, dass es sich in erster Linie um Widerstandspraktiken handelt, die auf Wissen aufbauen. Diese Praktiken eines anderen Umgangs mit Ressourcen und einer anderen Rolle der Gemeinschaft enthalten auch Formen der sozialen Reflexion, die die beständige Weiterentwicklung der jeweiligen Gemeinschaft möglich macht. Aber sie werden meist als lokale Gebräuche oder spontane Ideen abgetan. Das reale Problem, den Schritt von sozialen Bewegungen zu Stadtteilen und von ländlichen Gemeinden zu urbanen Gegenden zu machen, wird so zu einem weiteren zentralen Hindernis.
Seit einigen Jahrzehnten wurden diese Alternativen auch unter dem Begriff Buen Vivir -grob als „Gutes Leben“ übersetzbar- diskutiert. Dieser Begriff wurde von den Indigenen-Bewegungen Lateinamerikas geprägt und fokussiert sich auf das Leben in einer erweiterten Gemeinschaft, die innerhalb ihres Territoriums harmonische Beziehung zwischen den Individuen, innerhalb der Gruppe und mit der umgebenden Natur anstrebt. Während die politische und wissenschaftliche Debatte zum konkreten Begriff wieder etwas abebbt, ist das Interesse an Alternativen nach wie vor hoch. Der inhärent globale Charakter dieser Debatte macht es möglich, von einem Globalen Buen Vivir mit vielen verschiedenen Varianten zu sprechen. Es stechen die Widerstandspraktiken in Griechenland heraus, die aus dem Kampf gegen Übertourismus und Ausverkauf geboren sind. Auf der Insel Naxos können diese Praktiken unter dem Arbeitsbegriff des Kali Zoi, Gutes Leben, gesammelt werden. Hier geht es auch darum, die Gemeinschaft und die konkreten lokalen Beziehungen gegen das Versprechen individuellen Reichtums stark zu machen. Das Kali Zoi kann es erlauben, Alternativen zum Extraktivismus und zur imperialen Lebensweise in Europa sichtbar zu machen und besser zu verstehen. Damit kann das notwendige Umdenken von Begriffen von Freiheit, Eigentum, Gemeinschaft und Sicherheit eine klarere Grundlage bekommen. Dieses grundsätzliche Neudenken kann nur in einer Verbindung von Wissenschaft, Zivilgesellschaft und lokalen Gemeinschaften stattfinden.
