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No al Tren Maya! Dieser Text ist Teil einer Recherche zur Beteiligung deutscher Unternehmen am Tren Maya Projekt. Weitere Veröffentlichungen folgen.

Der Zug der Zerstörung, Teil 1

Mo., 03 Mai 2021

(Der Zug kommt nicht allein: Bauarbeiten an der neuen Autobahnstrecke) [Fußnote 1]

Der sogenannte „Maya-Zug“ (Tren Maya) ist ein von der (sich selbst erst als „linken“ nun „liberal“ bezeichneten) Regierung Mexikos vorgeschlagenes Infrastrukturprojekt, welches eine 1.500 Kilometer lange Strecke von Palenque bis Cancun umfassen wird und damit die Bundesstaaten Chiapas, Tabasco, Campeche, Yucatan und Quintana Roo verbindet. Es soll angeblich die (lokale) Wirtschaft und den Tourismus fördern und schätzungsweise 150 Milliarden Pesos (über 6 Milliarden Euro) kosten, die durch öffentliche und private Investitionen gedeckt werden.

(entnommen: Le Monde Diplomatique: Wann kommt der Zug nach Yucatán?, 07/2020, [Fußnote 2]

Allein, dass das staatliche Unternehmen zur Verwaltung dieses und weiterer Megaprojekte unter Führung der mexikanischen Armee stehen soll lässt auf weitere, beunruhigende Motive hinter dem „Maya Zug“ schließen. [Fußnote 3] „Constanza Lambertucci von der spanische Tageszeitung El País merkt dazu an, dass Mexikos Präsident seit seinem Amtsantritt im Jahr 2018 die Streitkräfte immer stärker an den Großprojekten der Regierung beteiligt hat.“ [Fußnote 4]

Im Südosten des Landes wird die Zugstrecke mitten durch geschützten Urwald und Indigenes Territorium gebaut. Während die Zentralregierung Fortschritt und Arbeit verspricht (schon jetzt häufen sich Berichte über nicht-ausgezahlte Löhne bei den ArbeiterInnen in der Konstruktion) [Fußnote 5] fühlen sich die Bewohner der Gemeinden, an denen die Strecke geplant ist, ungehört und machtlos. Probleme wie Landraub, Wasserknappheit, Kriminalität und Zerstörung der Umwelt werden sich durch das Projekt in Zukunft in der Region noch weiter verschärfen.

Eine höchst fragwürdige Umweltverträglichkeitsprüfung (Manifestación de Impacto Ambiental, MIA) des Bauprojekts wurde unter Ausschluss der indigenen Bevölkerung vom Tourismusunternehmen Fonatur in Auftrag gegeben: „Die indigenen Organisationen klagen, dass sie keinen Zugang zu den Umweltstudien des Megaprojekts hatten und somit ihr Recht auf Information verletzt wurde. Sie seien außerdem bei der Bewertung der Umweltfolgen nicht einbezogen worden. Das verstoße auch gegen ihre Rechte.“ [Fußnote 6] Eine erst nach Kritik vorgenommene „Volksabstimmung“ (Consulta) fand mit viel zu wenig Abstimmenden statt; das UN-Komitee gegen Rassendiskriminierung (CERD) stelle fest, dass die Consulta die Abkommen der Rechte der Indigenen missachte: „In seinen abschließenden Bemerkungen zu den von Mexiko vorgelegten Berichten […] hat das Komitee angeklagt, dass die Konsultationsprozesse in indigenen Gemeinschaften in den meisten Fällen nicht im Voraus durchgeführt wurden, die Gebräuche und Sitten nicht berücksichtigten und keine klaren, genauen und kulturell angemessenen Informationen bereitgestellt würden. `Darüber hinaus werden die Abstimmungen oft in Kontexten von Drohungen, Kriminalisierung und Schikanen durchgeführt, was ihren freien Charakter untergräbt´, warnte das Komitee.“ [Fußnote 7]

Genauso lässt sich das immer aggressivere Vorgehen der mexikanischen Regierung gegen Geflüchtete aus ganz Mittelamerika mit dem Megaprojekt durchaus in Verbindung bringen: „`Stellt man die verschiedenen Megaprojekte und Infrastrukturvorhaben auf der Landkarte dar, sieht man, dass sie Bausteine für eine ‚Migrantensperre‘ sind, mit der man die geopolitischen Interessen der USA bedienen will´, meint Sergio Prieto Díaz, Professor am Ecosur (Colegio de la Frontera Sur) in Campeche.“ [Fußnote 8]

Mexikanische Präsidenten verewigen sich gerne mit Mega-Projekten. Andrés Manuel López Obrador (kurz: Amlo) betont immer wieder: „Das Projekt diene der Entwicklung der Region, auf die gerechteste Art und Weise für die lokale Bevölkerung“. Dabei stellt sich die Frage, was man unter „Entwicklung“ versteht – denn die Indigene Bevölkerung wird von dem Bau des Zuges nicht profitieren. Der Tourismus würde den großen Unternehmen nutzen, nicht den Menschen vor Ort. Dies zeigt der Rückblick auf ein erstes der zur Gewohnheit gewordenen präsidialen Mega-Projekte: In den neunziger Jahren war es Cancún im Bundesstaat Yucatan, wo in Höchstgeschwindigkeit `All Inclusive Hotelanlagen´ aus dem Boden gestampft worden sind. Die Kehrseite der touristischen Nachmittage im Schatten schillernder Ressorts droht nun auch entlang der Strecke des tren de muerte: „Für viele Menschen aus den kleineren Städten und Gemeinden rund um Cancún steht der Name [heute] für Ungleichheit, Ausbeutung, Umweltkollaps und – wegen der zunehmenden Militarisierung des Drogenhandels – für staatliche und paramilitärische Gewalt. 2019 gab es in Cancún durchschnittlich einen Mord pro Tag. Allein im Januar 2020 wurden mehr als 50 Menschen umgebracht.“ [Fußnote 9]

Das neue neoliberale Vorzeige-Projekt der mexikanischen Regierung wird getragen und finanziert von Unternehmen in der ganzen Welt. Auch private und staatliche Unternehmen aus Deutschland haben großes Interesse gezeigt, in das Projekt zu investieren. [Fußnote 10]

Siemens und die Deutsche Bahn haben bei der Regierung von Lopez Obrador bereits ihre Bereitschaft zur maßgeblichen Unterstützung und Mitarbeit am Infrastrukturprojekt anklingen lassen und auch TÜV Rheinland zeigt sich dem Megaprojekt gegenüber aufgeschlossen und zeigt Interesse an einer Kooperation. Bereits jetzt haben sich diese Unternehmen mit der angekündigten Beteiligung an diesem „Proyecto de Muerte“ die Hände schmutzig gemacht.

Im Zuge des tren maya fährt auch ein weiteres Autobahnprojekt im Bundesstaat Chiapas mit: Die Asphalt-Schlange zwischen Cancún und Merida soll im Zuge der Tren Maya Arbeiten gleich mit erweitert werden und so zusammen mit der Zugstrecke mitten durch den Urwald verlaufen. [Fußnote 11] Die lokale Bevölkerung versucht u.a. durch Waldbesetzungen den Bau der Autobahn zu unterbinden. Es fand bereits ein Austausch mit den AktivstInnen im Dannenröder Forst („Danni“) statt: [Fußnote 12] „Ende März veranstalteten wir mit der Klima- und Umwelt-AG vom #NetzderRebellion und dem Menschenrechtszentrum Frayba Derechos Humanos einen Austausch zwischen Aktivistis des Dannenröder Forsts und den Compas in Bachajón, Chiapas, Mexiko. Sie kämpfen dort ebenfalls gegen den Bau einer Autobahn und erfahren dafür zunehmende Repression. Vom Klimacamp im Danni aus wenden wir uns gegen den Bau der Autobahn San Cristóbal-Palenque, gegen die geplante Basis der Guardia Nacional in Chilón sowie gegen die willkürliche staatliche Verfolgung der Aktivist*innen!“


“Danni und Bachajón, wir stehen Seite an Seite – für das Leben und gegen die Repression!“

WIR FORDERN WALD STATT ASPHALT; WIR FORDERN WALD STATT MEGA-INFRASTRUKTURPROJEKTEN! IN MEXIKO, IN DEUTSCHLAND, ÜBERALL.


„Nein zum Maya-Zug und den Projekten der Zerstörung!“ [Fußnote 13]

Tlacuache y Pollo; Recherche AG, Kleingruppe Tren Maya; April 2021

 

Fußnoten:

[1]

Foto: : Raúl Angulo Hernández, in La Jornada: https://www.lajornadamaya.mx/opinion/35811/a-la-autopista-se-la-ha-llevado-el-tren

[2]

https://monde-diplomatique.de/artikel/!5697648

[3]

https://www.npla.de/thema/umwelt-wirtschaft/armee-soll-tren-maya-verwalten/

[4]

https://amerika21.de/2021/01/246665/militaer-mexiko-regionalentwicklung

[5]

https://www.yucatan.com.mx/yucatan/denuncian-moches-en-el-tren-maya-en-yucatan

[6]

https://amerika21.de/2021/03/248956/tren-maya-aussetzung

[7]

https://politica.expansion.mx/mexico/2019/08/30/onu-alerta-serios-vacios-en-consultas-pueblos-indigenas

(Eigene Übersetzung)

[8]

https://monde-diplomatique.de/artikel/!5697648

[9]

https://monde-diplomatique.de/artikel/!5697648

[10]

El Sol de Mexico (Mexiko-Stadt), Januar 2019: „Empresas alemanas, interesadas en Tren Maya y proyectos de AMLO“; El Economista (Mexiko), Dezember 2018: „TÜV Rheinland, empresa alemana, interesada en participar en Tren Maya “Prensa Libre (Guatemala-Stadt), April 2021: „Tren Maya podría ser el primer tren inteligente en Latinoamérica por interés de empresa alemana“; La Jornada (Mexiko-Stadt), Februar 2020: „Plantean a empresarios alemanes inversión en proyectos del sureste“; Angulo 7 (Puebla), Januar 2019: „Al menos 7 empresas alemanas interesadas en participar en Tren Maya“

[11]

https://www.lajornadamaya.mx/opinion/35811/a-la-autopista-se-la-ha-llevado-el-tren4

[12]

Protest und Repression – Autobahnbau in Mexiko und Deutschland

[13]

Quelle: Enclae Zapatista

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