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Die Finca „Primavera“ in San Cristobal Verapaz

Fr., 04 September 2020

Autor: Rony Morales

Noch im Jahr 2000 arbeiteten die „mozos colonos“ der Familie Flips Díaz auf der Farm. Eine Bezeichnung für Bauernfamilien, die meistens seit Generationen auf einem Grundstück lebten, und für einen Großgrundbesitzer arbeiten mussten, der sich das Land ilegal angeeignet hat, ohne historische Besitzansprüche zu respektieren.

Seit dem Jahr 2000 waren diese Bauernfamilien an der Gründung der Vereinigung bäuerlicher Organisationen von Verapacense – UVOC – beteiligt, wobei sie über die Behörde „Fondo de Tierras“ Verhandlungen über den Kauf des Hofes einleiteten.
Der Verhandlungstisch dauerte 15 Jahre, an dem UVOC zusammen mit Regierungsinstitutionen teilnahm: das Sekretariat für landwirtschaftliche Angelegenheiten -SAA, der Ombudsmann für Menschenrechte -PDH, das Innenministerium, das Katasterinformationsregister -RIC und Fondo de Tierras.

Bei einem dieser Treffen gaben die Mitglieder des SAA bekannt, dass sie mit dem Unternehmen der Familie Flips Diaz, ECO-TIERRA, verhandelt hatten, und es wurde vereinbart, dass die 279 Bauernfamilien den Hof erhalten, der angeblich diesem Unternehmen gehören würde.

Ab 2017, nachdem die Bauernfamilien von Primavera („Frühling“) ihre Rechtssicherheit über das Land hatten, begannen sie ihre angestammte und gemeinschaftliche Landwirtschaft wiederzubeleben und Mais, Bohnen, Zwiebeln sowie anderes Gemüse anzubauen.

Aktuell können die Familien wegen der Corona-Krise nicht in die nächste Stadt, um ihre Produkte zu verkaufen, weil in Guatemala die öffentlichen Verkehrsmittel stark eingeschränkt oder verboten wurden. Deshalb will die Organisation UVOC die Lieferung von Lebensmitteln in den Norden des Polochic-Tals organisieren, um die Gemeinschaft von San Miguelito Cotoxja zu versorgen.

Während der Regierung von Alvaro Colom fand 2011 in San Miguelito Cotoxja eine Reihe gewaltsamer Vertreibungen von 14 Maya-Q’eqchi‘-Gemeinden im Polochic-Tal statt, die dazu führten, dass 769 Familien ihres Landes beraubt wurden, die Anführer der Bauern und Indigenen ermordet wurden, große Teile des kultivierten Landes verloren gingen und sie schließlich ihre Häuser und ihr Heimat verloren.

Diese Räumungen[1] halfen den deutschstämmigen Geschäftsleuten Widmann des Zuckerunternehmens Chabil Utzaj, die der Grupo Pellas Chamorro in Nicaragua gehört, den Landbesitz zu sichern und mit dem Anbau von Zuckerrohr für die Ethanolproduktion und andere Zwecke zu beginnen.

 

 

Derzeit ist San Miguelito zusammen mit mehreren Gemeinden in der Region ohne ausreichend Nahrung und sie haben ein weiteres ernstes Problem: die Gemeinden sagen, dass wegen der Zunahme der afrikanischen Palmenplantagen in den benachbarten Farmen im Besitz von „Natura Aceites“ und die Verwendung des Insektizid Malathion auf den Plantagen, ihr Mais und Bohnen sowie verschiedenes Gemüse in diesem Jahr nicht geerntet werden konnte.

Darüber hinaus verschmutzt der Anbau der Palme die Flüsse und absorbiert die einzigen Wasserquellen, die sie für den menschlichen Konsum nutzen können.

Von der Organisation UVOC fühlen wir die Notwendigkeit zu handeln und diese Gemeinschaften beim Tausch oder Verkauf von Lebensmitteln zu unterstützen, da sie alleine nicht die Möglichkeiten haben.

Die Gemeinden, die von dieser Initiative profitieren werden, sind die Gemeinde La Primavera, Baleu und El Chico in San Cristóbal Verapaz, – Maya-Poqomchi´-Gemeinden, die mit einem gemieteten Laster ihre Produkte ( u.a. Zwiebeln, Kartoffeln, Tomaten) zu den Maya-Q´eqchi´- Gemeinden Seamay, Sebax, 12 Aguilas und San Miguelito im Polochic-Tal bringen werden. Diese können ihnen den Laster mit Mais, Bohnen und Reis zurückschicken.

Die Gemeinschaften bauen ökologische Produkte an und verteidigen derzeit ihr Land gegen unternehmerische Machenschaften. Mehrere der Wortführer mussten schon einen Prozess der Kriminalisierung und Verfolgung durchlaufen.

Der Autor Rony Morales arbeitet für die Bauernorganisation UVOC und ist als Reporter für die Zeitung Prensa Comunitaria tätig.

Mit unserer Initiative „Comunidades Solidarias“ unterstützen sie die genannten Gemeinden bei ihrer Selbstorganisation sich gegenseitig mit Lebensmittel zu versorgen. Zeigen Sie mit uns internationale Solidarität durch unser Crowdfunding .

[1]          (Bei poonal gibts es auch weitere Berichte zur Räumung in Polochic und zwar hier und hier.)

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