ERGEBNISSE DER PARTNERSCHAFT HANNOVER - AMAZONIEN
Neun junge Menschen aus SARAYAKU vom Amazonas in ECUADOR waren zu Gast in Hannover
Di.., 21 Juli 2026Neun junge Menschen aus SARAYAKU vom Amazonas in ECUADOR waren zu Gast in Hannover
ERGEBNISSE DER PARTNERSCHAFT HANNOVER – AMAZONIEN
Der Schulaustausch des Gymnasiums Limmer mit der Schule in SARAYAKU in Amazonien hat die Kontakte der Stadt Hannover mit SARAYAKU maßgeblich verstärkt.
Seit 30 Jahre bestehen zwischen SARAYAKU und HANNOVER diese Kontakte.





Auf Bitten des Gymnasiums Limmer und der beiden federführenden Lehrerinnen Olga und Franziska übernahmen wir mit Victor HÜBOTTER, Andrea KURTZ und Klaus WINDOLP von PROTERRA einen Teil der Planung und Durchführung des Programms vom 14.06. bis 25.6.2026.
- 16.6. 2026 Besuch Rathaus Hannover und Gespräch mit dem Bürgermeister am Vormittag. Am Nachmittag Permakultur Workshop in Kirchdorf und gemeinsames Abendessen.
- 17.6.2026 Wildkräuterworkshop und gemeinsames Essen mit Andrea Kurtz
- 18.6.2026 Festival mit Filmen von ERIBERTO GUALINGA aus SARAYAKU
- 23.6.2026 22. PROTERRA FORUM SARAYAKU: LEBEN UND WIDERSTAND IM REGENWALD ECUADORS. DEMOKRATISCHE LEBENSFORMEN DES BUEN VIVIR UND IHRE POLITISCHE BEDEUTUNG FÜR EUROPA
Mit 120 Teilnehmer*innen startete Prof. Dr. Philipp Altmann (UNIVERSIDAD CENTRAL DEL ECUADOR / LEIBNIZ FORSCHUNGZENTRUM WISSENSCHAFT UND GESELLSCHAFT, Leibniz Universität Hannover) mit seinem Vortrag zum BUEN VIVIR / SUMAK KAWSAY das Forum. Er verdeutlichte die Entwicklung der Lebensform des BUEN VIVIR in Südamerika in den letzten Jahrzehnten und die Integration der spezifisch indigenen Lebensformen des SUMAK KAWSAY. Die indigenen Gruppen bringen die Bedeutung ihrer Gewerkschaften, der indigenen Rechtsprechung, der (oft verbotenen) indigenen Schulen und Hochschulen neben der Bewahrung der Gemeinschaften und dem gemeinschaftlichen Leben mit der Natur in enger Verbindung und Harmonie als politische Bewegung ein. Neben der Kosmologie sind dabei auch ein Leben ohne Eigentum und ohne Privatismus wichtig.
Auf dem Wege in die Verfassungen Ecuadors und Bolivien war das BUEN VIVIR zwischen Wissenschaft und Aktivismus für politische Bewegungen weltweit relevant, etwa mit dem DEGROWTH – dem NICHT WIRTSCHAFTLICH WACHSEN, SONDERN MENSCHLICH. Dabei wurde auch die Überwindung des EXTRAKTIVISMUS wie in SARAYAKU wichtig.
Ab 2007 bewegte sich das BUEN VIVIR im politischen Raum weg von der Globalisierungskritik hin zum DEGROWTH und CLIMATE JUSTICE.
2008 wurde das BUEN VIVIR in die Verfassung von Ecuador aufgenommen, 2009 in die Verfassung von Bolivien.
Das AUF und AB der politischen Bedeutung des BUEN VIVIR bleibt, aber die generelle Bedeutung auch weltweit wird weiter verfolgt, wir nennen das „global BUEN VIVIR“.
Als relevante KERNCHARAKTERISTIKA des BUIEN VIVIR nennt Prof. Altmann:
- AUTONOMIE UND SELBSTBESTIMMUNG
- KOMMUNITARISMUS (Menschen als soziales Wesen, dessen Leben notwendig von Kultur und Tradition seines Gemeinwesens geprägt ist und das die Arbeit nach Maßgabe des Gemeinwohls gestaltet). NATUR und MENSCHEN in naher Beziehung bedingen, dass die nicht-menschliche Sphäre politisch einbezogen werden muss.
- LOKALE Charakteristika bewahren
Als ZIELE des BUEN VIVIR sieht Prof. Altmann:
- Politische Auseinandersetzung zur Verwirklichung der politischen Inhalte der Kerncharakteristika des BUEN VIVIR.
- Weltweite Anpassung der politischen Kerncharakteristika des „global BUEN VIVIR“.
- Dialog vor Ort auch in Europa zur Definition der äquivalenten Lebensformen des global BUEN VIVIR wie etwa das „KALI ZOI“ in Griechenland.
Mit den nationalen Erhebungen der Indigenen Bewegungen 2019 und 2022 wurden die sozialen und wirtschaftlichen Forderungen, das BUEN VIVIR politisch zu berücksichtigen, verstärkt.
Das BUEN VIVIR soll auch eurozentrisch untersucht werden. Wir starten in Griechenland. Dazu bedarf es:
- Der Anerkennung in europäischen Ländern als komplexer Begriff des „global BUEN VIVIR“ mit regionaler Bedeutung und landesspezifischem Namen.
- Der Verbindung mit anderen politischen Begriffen und Forderungen.
- Dialog mit den Akteur*innen unserer FORSCHUNGSRECHERCHE in ATHEN und NAXOS.
Diese FORSCHUNGSRECHECHE in GRIECHELAND nimmt hier in Hannover aktuell ihren Anfang für die nächsten Jahre. Das ist ein großer Erfolg dieses Abends! Es geht nicht darum AUTARKIEN zu begreifen, sondern auf der Basis der Kenntnisse aus Südamerika die KULTUR EUROPÄISCHER LEBENSFORMEN in den Blick der Öffentlichkeit zu bringen und deren Bemühungen und Erfahrungen zu nutzen, das gegenwärtige Leben intensiver zu kultivieren und neue politische Handlungswege zu eröffnen. Das ist gerade jetzt in einer Zeit des politischen Stillstandes in weiten Teilen Europas besonders wichtig!
Dr. Hildegard Kurt (KULTURWISSENSCHAFTLERIN, INSTITUT KUNST, KULTUR und ZUKUNFTSFÄHIGKEIT e.V. Berlin) ordnet die Ausführungen von Prof. Altmann zum BUEN VIVIR mit Hinweis auf unseren Gast Prof. Claus Leggewie beim 20. PROTERRA-FORUM ein. Leggewie sieht die Notwendigkeit des „PLANETARISCHEN DENKENS“. Hildegard Kurt bezeichnet die Kraft des BUEN VIVIR als eine Kraft für eine „planetarische Verfassung“ im Einklang mit der Natur auf einer gemeinschaftlichen Basis.

Nach diesen intellektuellen Basisinformationen leitete Professor Altmann moderierend über zu einem Höhepunkt des Abends. Die jungen Indigenen sprachen in ihrer Sprache, übersetzt von ihrer Lehrerin ins Spanische und von unseren jungen Dolmetschern von VENTANA AL SUR ins Deutsche, über ihr Leben zuhause in SARAYAKU, mitten im Amazonasgebiet. Es war beeindruckend, wie alle Gäste sich differenziert zum SUMAK KAWSAY bekannten und immer wieder Einzelheiten ihrer Lebensweise hervorhoben. Das Resümee der gezielten Nachfragen von Prof. Altmann zog ein junges Mädchen aus SARAYAKU auf die Frage
„Was sollten die Hannoveraner von Euch in SARAYAKU lernen?“
Sie sagte, wir sollten in Deutschland mehr Verbindung zur Natur haben und zu den anderen Menschen. Sie fand es beeindruckend, wieviel Grün wir in Hannover haben, aber wir sollten aufwachen und die Natur in Hannover stärker in den Blick nehmen.
Insgesamt war es für alle Zuhörer*innen beeindruckend mit welchem Selbstbewusstsein die jungen Leute aus SARAYAKU sich artikulierten.
Die Intensität der Vermittlung der Lebensformen wurde nicht zuletzt von der kurzen und präzisen Moderation von Prof. Altmann und zwei Schülern des Gymnasiums Limmer möglich. Dazu trugen auch die Übersetzungen der jungen Leute der hannoverschen Gruppe lateinamerikanischer Zuwanderer nach Hannover bei, die sich bei VENTANA AL SUR organisieren.
Die großartige Stimmung des Abends wurde auch von einer Journalistin mit ihren Texten und Bildern dokumentiert. Eine Gruppe Musiker aus Ecuador begleitete den Abend und übertrug die großartige Stimmung in abschließende Tänze fast aller im Saal der Aula der Schule.
So kann die Partnerschaft HANNOVER-SARAYAKU weiterentwickelt werden.
Mit der an diesem Abend begonnenen FORSCHUNGSRECHERCHE HANNOVER-ATHEN-NAXOS zu zukunftsweisenden, gemeinschaftlichen, natur-affinen Lebensformen in Griechenland im Kontext mit dem „globalen BUEN VIVIR“ leitet dieser Besuch der Gäste aus SARAYAKU zu neuen politischen Erkenntnissen über. Griechen beteiligen sich mit ihrer Lebenspraxis des „KALI ZOI“ an dieser FORSCHUNGSRECHERCHE ebenso wie Politiker*innen, Künstler*innen und Wissenschaftler*innen aus beiden Ländern. Die Ergebnisse werden publiziert und der Öffentlichkeit präsentiert.
KLAUS WINDOLPH / PROTERRA e.V.
